Pfarrkirche St. Simon und Judas feierte 125-jährigen Jubiläum

Seit tausend Jahren Gotteshäuser in Hennef

Die Pfarrkirche St. Simon und Judas an der Siegfeldstraße mit dem wahrscheinlich höchsten Turm in Hennef wurde zwar vor 125 Jahren am 24. September 1900 eingeweiht. Im Hennefer Stadtgebiet gibt es aber bereits eine fast tausendjährige Kirchentradition. Darauf hat kürzlich Kardinal Rainer Maria Woelki in seiner Festpredigt bei der Jubiläumsfeier hingewiesen.

Der Kölner Erzbischof sagte: „Es lohnt sich auf jeden Fall, sich bewusst zu machen, dass hier der Glaube schon seit 1.000 Jahren gelebt wird.“ Seitdem sei die Pfarrkirche der Mittelpunkt des Glaubens- und Gemeindelebens. Deshalb ein Überblick zur Hennefer Kirchengeschichte.

Eine urkundliche Erwähnung von Geistingen im Jahr 885 enthält aufschlussreiche Informationen: Abt Heinrich von Geistingen überlässt ein Viertel des Königsgutes Geistingen, das er von dem fränkischen König Ludwig III. dem Jüngeren (876-882) zum Geschenk erhalten hatte, dem Stift St. Cassius und Florentius in Bonn. Das berichtet die Hennefer Stadtchronik. Wo ein Abt lebt, muss auch ein Kloster gewesen sein.

Bei dieser Eigentumsregelung bleibt es nicht ewig. Im Jahr 1064 wird erwähnt, dass Erzbischof Anno die Kirche in Hennef der Abtei Siegburg überträgt, und zwar samt Zehntrecht. Das ergibt sich aus der Stiftungsurkunde der Abtei Michaelsberg in Siegburg. Dieser Vorgang weist auf ein bereits bestehendes Kirchengebäude in Hennef hin.

Im frühen Mittelalter gibt es noch keine systematische Geschichtsschreibung. Historische Fakten treten meist erst dann zutage, wenn Urkunden ausgestellt werden, um Rechtsicherheit zu schaffen. Und innerhalb von rund tausend Jahren geht auch manche Urkunde verloren, vor allem in Kriegswirren.

So wissen wir auch über die Entstehung der heutigen Stadt Hennef nicht mehr als durch ihre erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1075, damals noch unter der alten Bezeichnung „Hanapha/Hanafo“. Geistingen wird bereits um 800 urkundlich erwähnt. Seit etwa 1075 besitzen das Cassiusstift und die Abtei Siegburg die Kirche in Geistingen je zur Hälfte.

Woher kommt nun der Name „Sankt Simon und Judas“, den die Hennefer Pfarrkirche bis heute trägt? Dazu gibt es einen historischen Hinweis: Der Kölner Erzbischof Anno war zuvor Propst des gleichnamigen Stiftes in Goslar. Das legt nahe, dass er dieses Patronat der Apostel Simon und Judas (Thaddäus) auch in Hennef eingeführt hat. In der katholischen Kirche werden der Zelot Simon und Judas Thaddäus meist gemeinsam verehrt. Wegen der Namensgleichheit besteht die Gefahr, sie leicht mit den Aposteln Simon Petrus und Judas Iskariot zu verwechseln.

Die Urkunden verraten auch: Nach dem Tod von Erzbischof Anno entsteht Streit zwischen der Abtei Siegburg und dem Cassiusstift Bonn um die Besitzverhältnisse in Hennef. 1132/1181 wird der Konflikt durch eine päpstliche Entscheidung beigelegt.

Schon früh im Mittelalter erblüht das Christentum in Hennef. Das beweisen die zahlreichen Kirchenbauten, die bereits im heutigen Stadtgebiet entstehen. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird die Pfarrkirche St. Michael in Geistingen errichtet. Von einem Vorgängerbau wird vermutet, dass er sich als Eigenkirche zunächst in der Hand des Bonner Cassiusstiftes befunden hat. Die Kirche in Uckerath wird 1131 urkundlich erwähnt. Die Wallfahrtskapelle „Zum Heiligen Kreuz“ in Süchterscheid dürfte um 1200 errichtet worden sein. Zwischen 1263 und 1265 siedeln Zisterzienserinnen auf dem Hof Zissendorf in der Siegaue. Und in Stadt Blankenberg erfolgt im Jahr 1248 die Erhebung der Kirche Sankt Katharina zur eigenen Pfarrkirche; sie mag damals schon länger bestanden haben.

Selten erhalten sind die weiteren Urkunden, die uns heute Informationen über das kirchliche Geschehen im Mittelalter verraten. Im Jahr 1156 erwirbt jedenfalls Abt Nicolaus von Siegburg für 75 Mark ein Grundeigentum in Hennef. Dessen Erträge stiftet er, damit jährlich in einer Heiligen Messe („Jahrgedächtnis“) besonders für ihn gebetet wird.

In der zweiten Hälfte des 14. Jh. lässt der Einsiedler Christian von Lauthausen auf Grund einer Vision ein Marienbild in Köln anfertigen, dessen Wirkung sehr schnell bekannt wird. Um dem einsetzenden Pilgerzustrom gerecht zu werden, erbaut Christian von Lauthausen zusammen mit dem Pastor von Geistingen, Peter Meisenbach, die Wallfahrtskirche „Mater Dolorosa“. Der Ort Bödingen entsteht dadurch an einem bisher siedlungsfreien Platz. 1412 werden vier ständige Priesterstellen an der Wallfahrtskirche geschaffen und zwölf Jahre später sogar ein Kloster der Augustinerchorherren errichtet, um die Pilger seelsorglich zu betreuen.

Im Jahr 1398 wird dokumentiert, dass nach der Niederlage des Herzogs Wilhelm von Berg die „Capelle zu Happerschoss“ zur Entschädigung der Ritter beitragen muss. Damit verläuft insgesamt das Mittelalter erstaunlich friedlich. Kriegerisch wird es erst zu Beginn der Neuzeit. Am Ende des Truchsessischen Krieges werden im Jahr 1588 Blankenberg, Geistingen und Hennef zerstört. Auch der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) erreicht das heutige Hennefer Stadtgebiet.

Eine erstaunlich lange, über dreißigjährige Amtszeit beginnt für Pfarrer Sebastian Biesen im Jahre 1690. Sie ist durch Entbehrungen und Enttäuschungen gekennzeichnet. Er berichtet, was er in Hennef unter den Besatzern erlebt: „Im Jahre 1672, den 28. Oktober von den Franzosen, und im Jahre 1689, den 25. Juli von den Verbündeten, wurde die Pfarrkirche von Hennef total ausgeplündert und das Taufbuch, in welchem die Namen der Getauften, der Geehelichten und Verstorbenen geschrieben waren, fortgetragen…“

Hennef bleibt auch in der Reformation eine fast rein katholische Ortschaft. Lediglich über Pastor Heinrich Eckenhagen wird berichtet, der sich den Reformierten zuwendet. Daraufhin verliert er 1570 sein Amt. Er wendet sich jedoch wieder dem katholischen Glauben zu. Nach diesem Ereignis betreuen die Seligenthaler Minoriten die Hennefer Pfarrei fast hundert Jahre lang.

Im Jahr 1720 werden in der Kirche St. Simon und Judas umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. 1744 muss der Turm neu gebaut werden. Er ist als einziger Teil der alten Pfarrkirche bis heute erhalten und befindet sich neben der später errichteten Kirche. 1787 wird dann auch das Kirchenschiff neu gebaut.

Das Kloster Zissendorf wird 1803 infolge der Säkularisation zwangsweise aufgehoben. Ebenso müssen die Mönche das Kloster Bödingen verlassen, der Pilgerstrom lässt entsprechend nach.

1828 leben 4.624 Einwohner (4.536 Katholiken, 14 Protestanten, 74 Juden) im Bereich der Bürgermeisterei Hennef. Im Bereich der Bürgermeisterei Lauthausen sind 3.075 Einwohner beheimatet (3.023 Katholiken, 19 Protestanten, 33 Juden) und im Bereich der Bürgermeisterei Uckerath leben 3.009 Einwohner (3.000 Katholiken, ein Protestant und acht Juden). 1862 wird die Geistinger Synagoge errichtet. Das St. Josef-Krankenhaus in Geistingen wird von 1880 bis 1890 gebaut.

1883 erfinden Carl Reuther und Eduard Reisert die erste automatische, eichfähige Waage der Welt. In Folge der Industrialisierung entwickelt sich Hennef zu einem aufstrebenden Ort mit rasch wachsender Bevölkerung. Die alte Kirche wird zu klein. Der neue Pfarrer Hubert Wingerath (1896-1915) setzt sich für den Bau einer neuen Kirche ein. Sie wird auf dem Grundstück neben der alten Pfarrkirche errichtet. Der Kölner Architekt Theodor Ross entwirft eine Kirche im neugotischen Stil. Im Jahr 1898 beginnt der Bau der neuen Kirche Sankt Simon und Judas. Zuvor wird in Uckerath die alte Pfarrkirche durch eine neue ersetzt. Auch die Pfarrkirche Geistingen wird erweitert. Von 1894 bis 1896 wird die evangelische Christuskirche an der Beethovenstraße errichtet.

Der Kölner Erzbischof Hubert Simar weiht in Hennef die neue Kirche St. Simon und Judas am 24. September 1900 feierlich ein. Die Reliquien des heiligen Agilolf und des heiligen Paulinus werden in den Hochaltar übertragen. Das Kirchweihfest ist Anlass für die bis in der Gegenwart gefeierte Hennefer Kirmes, heute Stadtfest genannt.

Im September 1903 wird das Geistinger Redeptoristenkloster eröffnet und 1906 die neuromanische Pfarrkirche „Liebfrauen“ in Warth eingeweiht. Die philosophisch-theologische Hochschule wird 1996, das Kloster 2006 geschlossen.

Am 10. November 1938, ein Tag nach der bundesweiten Pogromnacht, wird die Synagoge der jüdischen Gemeinde zerstört und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die männlichen Juden werden verhaftet. Nach Verfolgung und schrittweiser Deportation leben ab September 1942 keine Juden mehr in Hennef. Später wird dort eine Gedenksäule errichtet.

Der Kirchenvorstand von St. Simon und Judas besteht im Jahr 1935 auf eine große Instandsetzung des Kirchenbaus von aufgrund gravierender Bauschäden. Ab 1939 sind größere Kriegsschäden vorhanden, insbesondere die neugotischen Fenster gehen zu Bruch. Lediglich zwei neugotische Fenster bleiben erhalten: das Cäcilien- und das Weihnachtsfenster im östlichen Querschiff.

1943: Die drei größten Glocken werden beschlagnahmt und zur Einschmelzung abtransportiert. Nur die kleinste Glocke überlebt den Krieg. Am 8. März 1945 werden der Ortskern von Geistingen und die dortige Pfarrkirche durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau folgt 1951.

1967-1973: Der Turm der Pfarrkirche St. Simon und Judas muss abgetragen werden und wird neu errichtet. Mit 74 Metern ist er der höchste Kirchturm im Rhein-Sieg-Kreis.

Im Jahr 2006 erhält die Pfarrkirche eine neue Orgel, die von der Firma Rieger Orgelbau angefertigt wird. Sie verfügt über 33 Labial- und neun Lingualregister sowie ein Glockenspiel. Die „Königin der Musikinstrumente“ besteht aus 2.800 Pfeifen in einer Größe ab zwei Zentimetern bis 5,20 Meter Höhe und ist begehbar.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki nutzt am 21. September 2025 das 125-jährige Jubiläum der Pfarrkirche zu einem Besuch in Hennef. Gemeinsam mit Pfarrer Hans-Josef Lahr zelebriert er den Festgottesdienst und plaudert bei der anschließenden Begegnung im Pfarrzentrum mit den Hennefer Gottesdienstbesuchern.

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