Diskussionsabend der Kolpingfamilie Hennef
fh – 3.126 von insgesamt 49.657 Einwohnern in Hennef sind pflegebedürftig. 411 davon leben in einem Pflegeheim. 2.256 Personen werden von ihren Angehörigen versorgt, 528 davon mit Unterstützung eines Pflegedienstes.
Das berichteten Daniela Janßen und Annette Nothen bei der Veranstaltung der Kolpingsfamilie am 15. April zum Thema „Pflegenotstand – auch in Hennef?“ Daniela Janßen leitet den Pflegedienst der Caritas mit Büro in Hennef-Uckerath, Annette Nothen leitet die Pflegedienste der DRK-Sozialstation Hennef.
Und ja, auch in Hennef gibt es Engpässe. Annette Nothen: „Es tut mir in der Seele weh, wenn ich am Telefon sagen muss: Wir können Sie nicht versorgen.“ Und Daniela Janßen berichtete, dass die Betten einer Abteilung im Helenenstift leer stehen, weil es am Personal mangelt.
So waren sich bei der Veranstaltung alle einig: Es gibt bereits heute zu wenig Personal, aber angesichts der steigenden Pflegezahlen nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels, des Rückgangs pflegender Angehöriger und der wenig attraktiven Arbeitsbedingungen wird sich die Lage in Zukunft weiter enorm verschärfen.
Die Referentinnen machten deutlich, dass sie die Situation nicht tatenlos beobachten. So bilden sie selbst aus: Allein die Caritas Hennef leitet sechs Auszubildende an. Aber an den strukturellen Rahmenbedingungen können beide nichts ändern. So war es aus ihrer Sicht ein Fehler, die Ausbildung von Pflegekräften in Krankenhaus und Altenpflege vor wenigen Jahren zusammenzulegen und zu „verakademisieren“. Nicht alle Bereitwilligen, die diesen Beruf ergreifen wollen, können die gestiegenen Anforderungen bewältigen. Gerade Sprachprobleme bilden ein Hindernis, das durch den höheren Theorieanteil gewachsen ist. Eine Rolle spielen auch der Verlust der Zivildienstleistenden und die Konkurrenz von Leiharbeitsfirmen. Und klar, aufgrund der gemeinsamen Ausbildung wandern gute Kräfte auf die attraktivsten Stellen ab, z. B. an Universitätskliniken.
Warum toleriert unsere Gesellschaft den sich verstärkenden Pflegenotstand? Warum subventioniert sie lieber die Anschaffung von E-Mobilen als die Attraktivität des Pflegeberufes? Auch auf diese Wertentscheidungen kam die Rede bei der Kolping-Veranstaltung. Es geht auch um politische Prioritäten.
Die Referentinnen berichteten: Rund 3,9 Millionen Menschen erhalten in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dafür stehen den Pflegekassen rund 37,72 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Pflege sei chronisch unterfinanziert. Deutschland gebe ein Prozent des Bruttoinlandprodukts für Pflege aus. In Skandinavien sei es doppelt soviel. Mit 22 Milliarden Euro beteiligten sich die kommunalen Sozialämter an der Finanzierung. Der Gesamtetat der Pflegekassen in Deutschland liegt darüber hinaus bei etwa 70 bis 80 Milliarden Euro.
In Hennef gibt es nach Auskunft der Referentinnen vier stationäre Pflegeeinrichtungen, deren Zahl durch die öffentliche Finanzierung begrenzt ist, eine Tagespflege-Einrichtung, neun ambulante Pflegedienste sowie zusätzliche private Betreuungsdienste, die keine medizinische Pflege, aber bei der Bewältigung des Alltags Hilfe leisten.
Annette Nothen gibt den Tipp, das Thema „Pflegebedürftigkeit“ nicht unvorbereitet auf sich zurasen zu lassen, sondern sich vorzubereiten, vor allem durch rechtzeitige Information und Beratung. Daran lasse sich auch die Qualität eines Pflegedienstes erkennen. Pflegebedürftige seien dazu sogar mehrmals jährlich verpflichtet. Der Anruf bei einem Pflegedienst sei der erste Schritt.
Übrigens bietet auch die Stadt Hennef eine Pflegeberatung an. Sie ist im Erdegeschoss des Neuen Rathauses (Zimmer 56) oder telefonisch mit der Rufnummer (02242) 888-560 erreichbar. E-Mail: pflegeberatung@hennef.de.
Wir dokumentieren hier nützliche Ansprechpartner:
Caritas-Pflegestation Eitorf-Hennef, Pflegedienstleitung Daniela Janßen, Günther-Landsknecht-Straße 2 • 53773 Hennef, Tel. 02248 909 8523, E-Mail: daniela.janssen@caritas-rheinsieg.de
DRK-Sozialstation Hennef, Pflegedienstleitung Annette Nothen, Josef-Dietzgen-Straße 20, 53773 Hennef, Tel.: 02242-8737600, leitung-hennef@pflegedienste-rsb.drk.de
Hilfe für Helfende – Alltagsbegleitung, Inh. Cornelia Rave, Steinstr. 26, 53773 Hennef, Tel: (02241) 7 90 98, Web: https://www.hilfe-fuer-helfende.de
Bürgerstiftung Altenhilfe, insbesondere für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen: Generationenhaus (1.OG), Humperdinckstraße 24, 53773 Hennef, Telefon: 02242 888 565, E-Mail: info@altenhilfe-hennef.de
, Web: https://www.altenhilfe-hennef.de
Seniorenportal der Stadt Hennef: seniorenportal.stadt-hennef.de/
Martin Grünewald, Kolpingsfamilie Hennef
