Thomas Freitag im Kur-Theater Hennef

Ein Abend voller Nachdenklichkeit und leiser Menschlichkeit

Mit seinem Programm "Rückzug über die Minen der Ebene" war der Kabarettist Thomas Freitag am 17. April im Kur-Theater zu Gast – möglicherweise zum letzten Mal. Der Abend zeigte sich weniger als klassisches politisches Kabarett, sondern als ruhige, pointierte Auseinandersetzung mit dem Menschen und seinem Umgang mit der Welt.

Besonders eindrucksvoll war eine Passage, in der Freitag aus der Perspektive eines Nashorns auf die Lebewesen und insbesondere auf den Menschen blickte. Mit feinem Humor und nachdenklichen Bildern sprach er über Verhalten, Selbstbild und innere Widersprüche. Der Perspektivwechsel wirkte entschleunigend und eröffnete neue Sichtweisen, ohne belehrend zu sein.

Einen zeitgemäßen Akzent setzte zudem der Dialog mit seinem KI-generierten Double, einem digitalen Ebenbild, das Fragen nach Identität, Selbstwahrnehmung und Zeit aufwarf und sich ruhig in das Gesamtbild des Abends einfügte.

Das Publikum folgte aufmerksam und reagierte mit konzentrierter Heiterkeit. Gelacht wurde leise und oft nachdenklich – ein Kennzeichen dieses Abends, der dem Zuhören mehr Raum ließ als schnellen Pointen.

Auch bekannte politische Figuren fanden nochmals ihren Platz im Programm. Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Franz Josef Strauß erschienen als prägnante Charakterstudien, bei denen menschliche Eigenheiten und Haltung im Vordergrund standen.

Gegen Ende richtete Thomas Freitag einen eindringlichen Appell an das Publikum. Demokratie sei nichts Selbstverständliches, mahnte er: "Man vermisst sie erst, wenn man sie nicht mehr hat. Freiheit muss man aushalten können, wenn man sie versteht. Nur Dummheit führt in die Diktatur zurück. `Nie wieder Krieg` war das Fundament unserer Demokratie."

Mit dem selbstironischen Satz "Ich kann Menschen zum Lachen bringen." verabschiedete sich Freitag anschließend auf die AIDA Noah – ein leiser, passender Abschluss.

Der lange Applaus galt nicht nur dem Programm, sondern auch der über fünf Jahrzehnte währenden Bühnenpräsenz des Künstlers. Nach dem Auftritt äußerte sich Freitag anerkennend über das von einem Verein betriebene Kur-Theater. Diese Rückmeldung unterstreicht den Anspruch der Spielstätte, Kino & Kultur als Ort der Begegnung im nostalgischen Ambiente zu ermöglichen. Sollte dies sein letzter Auftritt in Hennef gewesen sein, bleibt ein Abend in Erinnerung, der durch Ruhe, Menschlichkeit und kluge Beobachtungen überzeugte.

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