Geht nicht? Geht doch!

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Geht nicht? Geht doch!

Sankt Martin unter Corona-Bedingungen

Ich engagiere mich in der Pfarrgemeinde Liebfrauen (Hennef-Warth) in verschiedenen Bereichen, vor allem bei Gottesdiensten. Ein Familiengottesdienst ist mir dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Es war im Herbst 2020. Corona. Alles war anders. Eine Handvoll Katechetinnen saß mit Maske und auf Abstand im Pfarrheim an der Frankfurter Straße. Der November nahte und somit Sankt Martin. Ja, alles war anders, vieles verboten, aber das Kirchenjahr war seit Jahrhunderten dasselbe – Pandemie hin oder her. Bloß: Was wäre das Martinsfest ohne einen Sankt Martin auf seinem Pferd, ohne Martinslieder begleitet von einer kräftigen Blaskapelle, ohne Feuer und ohne Weckmänner? Verdarb Corona uns – und vor allem den Kindern – denn jede Freude?

Und auf einmal gab es Möglichkeiten, über die noch nie jemand nachgedacht hat: „Wir holen den Sankt Martin in die Kirche!“ – Geht nicht? – Geht doch! Wir feierten nämlich schon seit Sommer 2020 die heilige Messe sonntags im Freien hinter der Kirche.

Eine Idee folgte der anderen, bis wir einen „Corona konformen“ Sankt-Martin-Familiengottesdienst vorbereitet hatten.

Am Morgen des 15. November 2020 füllte sich die „Kirche unter freiem Himmel“. Auf mitgebrachten Campingstühlen verteilten sich die Besucher auf den Wiesen des Kirchbergs. Nie hätte ich gedacht, dass die alten Bräuche und Lieder so viele Menschen anziehen würden. Außerdem wurde die Messe live im Internet gestreamt.

Der Gottesdienst begann mit dem Einzug von Pastor und Messdienern, gefolgt vom heiligen Martin auf seinem beeindruckenden Pferd. Musikalische Begleitung gab es vom Blasorchester Uckerath, das viele bekannte Martinslieder im Repertoire hatte. Groß und Klein sang mit – mit Abstand in der frischen Luft war das möglich. Selbstverständlich brannte auch ein kleines Martinsfeuer und die Kinder hatten ihre Laternen mitgebracht. Ich blickte in strahlende Kinderaugen und in manche feuchten Eltern- und Großelternaugen. Zur besonderen Freude hatte der Ortsausschuss für jedes Kind und viele Erwachsene leckere Weckmänner organisiert, die „Sankt Martin“ persönlich nach dem Schlusssegen verteilte. Außerdem bekamen alle Kinder eine Teelichtbanderole passend zum Martinsfest. Diese konnten sie später zu Hause ausmalen und verschenken.

Warum feiert die Kirche den heiligen Martin? Weil er nicht nur auf sich selbst schaute. Er nahm den Bettler am Wegesrand wahr, „zog die Zügel an“ und teilte seinen Mantel mit dem Fremden. Er gab ihm damit nicht nur ein halbes Kleidungsstück. Vielmehr schenkte er ihm damit Aufmerksamkeit, menschliche Wärme und auch Hoffnung. An Stellen, wo solche Werte gelebt und vermittelt werden, engagiere ich mich gerne. (Petra Klippel)

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