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Hennef

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

So fühlte es sich an im Frühsommer 2000, als ich stellvertretend für einen anderen geladenen Gast zur Gründungsveranstaltung des Lebenskreis e. V. in Geistingen dazu stieß. Relativ ahnungslos lernte ich den kleinen Kreis von Menschen kennen, die nach intensiven Vorüberlegungen ihre Intentionen, Planung und Zielsetzung für den Aufbau eines ehrenamtlich tätigen, ambulanten Hospizdienstes in Hennef darlegten. Total beeindruckt, oder besser "geflasht", hab ich das entsprechende Papier als Gründungsmitglied mit unterschrieben. Spontan.

Die Geburtsstunde des Lebenskreis e. V. war somit auch Start meiner Mitgliedschaft und der Grundstock für meine Ausbildung und ehrenamtliche Tätigkeit in diesem wunderbaren Verein.

Es gab viel zu tun, bevor die eigentliche Arbeit aufgenommen werden konnte. Kontakte knüpfen, ein Netzwerk aufbauen und den ersten Befähigungskurs für interessierte, zukünftige ehrenamtliche Mitarbeiter ausschreiben und starten. Von der Stadt bekamen wir im Haus der Vereine einen Raum zur Verfügung gestellt.

Die Ausbildung zur Sterbebegleitung war und ist umfangreich. Sie beinhaltet wöchentliche Treffen und erstreckt sich über einen Zeitraum von neun Monaten.

23 Jahre! Aus der kleinen Gruppe ist ein Verein mit ein paar hundert Mitgliedern geworden. Mit acht ehrenamtlichen Sterbebegleitern gestartet, sind wir jetzt 75. Drei fest angestellte Koordinatorinnen steuern das Tagesgeschäft. Ein großes Spektrum an Trauerbegleitungsangeboten erweitert unsere ehrenamtlichen Dienste.

Ich bin hauptsächlich im Vorstand tätig. So plane und kümmere ich mich um unsere öffentlichen Veranstaltungen wie Lesungen, Vortrags- und Kulturabende. Wenn die gut sind, Resonanz finden, Tabus abbauen, was zum Schwingen bringen und die Besucher bereichert nach Hause gehen, dann bin ich froh.

"Wo ist denn euer ‚Haus`?" wurden wir oft gefragt. Ja, wir haben mittlerweile sehr schöne, einladende Räume in Geistingen. Hier finden Begegnungen und Treffen statt. Aber wir sind kein stationäres Hospiz. Wir unterstützen ambulant. So individuell, wie es jede einzelne Begleitung erfordert. Manchmal wird nur Beratung gewünscht. Meistens ist es mehr.

Wir helfen dabei, dass schwerstkranke Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und, wenn gewünscht und umsetzbar, auch dort sterben können. In 2024 wird das Sybilla-Hospiz in Bödingen eröffnet. Es bietet die stationäre Begleitung sterbender Menschen. Wir werden eng miteinander kooperieren. Dieses hospizliche Gesamtnetzwerk wird betroffenen Menschen und Familien noch mehr Sicherheit und Unterstützung geben.

"Warum so ein schweres, trauriges Ehrenamt?" fragen manche. "Ist es gar nicht", sagen wir. Manchmal vielleicht. Das andere überwiegt: Es kommt so viel zurück. Wir lernen selber so viel. Das Leben wird reicher. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So fühlt es sich für uns oft an. Egal, wer wie wo gerade im Einsatz ist.

Ursula Pützstück

Lebenskreis e. V.

Kurhausstraße 1

53773 Hennef

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