Enthüllung der Chanukkia

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Enthüllung der Chanukkia

Zum Abschluss der Sanierung der Grundmauern der Synagoge

Seit Oktober 2023 wurden die verbliebenen Grundmauern der 1938 zerstörten Synagoge in Hennef-Geistingen saniert. Der Abschluss der Arbeiten wurde am 17. Mai mit der feierlichen Enthüllung einer neu errichteten Chanukkia – ein Kerzenleuchter für das traditionelle achttägige jüdische Lichterfest – begangen. Hoher Besuch war dazu nach Hennef gekommen: Neben vielen Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Hennef war auch der Vorsitzende der Synagogengemeinde Köln, Abraham Lehrer, anwesend. Lehrer ist Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er zeigte sich zutiefst beeindruckt von der Veranstaltung und dem für Juden wichtigen Signal, das von der Sanierung und vor allem von der Chanukkia ausgeht.

„Wenn man eine Sanierung abschließt, dann feiert man meistens eine große Einweihung oder Eröffnung, weil etwas neu oder wieder in Betrieb genommen werden kann. Wir haben mit der ehemaligen Synagoge ein Gebäude saniert, das ein wichtiger Teil unserer Stadt ist, aber nicht mehr in Betrieb gehen wird. Seine verbliebenen Grundmauern dienen heute nicht mehr ihrer eigentlichen religiösen Funktion, sondern als Gedenkstätte. Das liegt in der Geschichte unserer Stadt begründet. Dieser Ort war einst das Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Hennef und ist heute ein Mahnmal der Geschichte, an dem wir seit vielen Jahren der Opfer der Shoa in unserer Stadt gedenken“, so Bürgermeister Mario Dahm in seiner Rede. Er erinnerte an die gesellschaftliche Verpflichtung, die Erinnerung, wie mit der Sanierung der Gedenkstätte, aufrechtzuerhalten: „Wir kennen die Opfer von damals nicht mehr persönlich. Aber wir kennen diejenigen, die morgen Opfer sein könnten. Deshalb müssen wir nicht nur erinnern an die Verbrechen, die begangen wurden, sondern wachsam sein, wohin sich unsere Gesellschaft und unsere Demokratie heute entwickeln und was an vielen Stellen auch ins Rutschen gerät“, mahnte der Bürgermeister mit Blick auf antisemitische Haltungen, Vorfälle und Übergriffe. „Mit der neu errichteten Chanukkia setzen wir ein deutliches Zeichen für die einstige und heutige Bedeutung dieses Ortes und somit für jüdisches Leben in unserer Stadt.“

Teil der lebendigen Erinnerungskultur

Seit dem 3. April 1995 ist die ehemalige Synagoge in Geistingen ein eingetragenes Denkmal und Teil der lebendigen Erinnerungskultur der Stadt Hennef. So findet jährlich am 10. November ein durch den Ökumenkreis organiserter „Gang des Gedenkens“ zur ehemaligen Synagoge statt. Die Gedenktafeln unterhalb der Apsis enthalten die Namen der ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hennef, die auch auf vielen Stolpersteinen im Stadtgebiet zu lesen sind. Im Hennefer Rathaus befindet sich an zentraler Stelle eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten Hennefer Juden. Ebenso finden immer wieder Ausstellungen und Vorträge statt. In den Hennefer Schulen gibt es jährlich Projekte und Zeitzeugengespräche.

Nach der Rede des Bürgermeisters und der des Kulturamtsleiters Dominique Müller-Grote erläuterte, Marie Louise Jung und Roman Kovar, was eine Chanukkia ist und welche Bedeutung das Lichterfest im Judentum hat. Anschließend enthüllten Dahm und Kovar die Chanukkia. Die soll künftig auch genutzt werden, indem anlässlich des Lichterfestes – auch Chanukka genannt – acht Tage lang jeweils kurz vor Sonnenuntergang eine weitere Kerze angezündet wird. 2024 ab dem 25. Dezember.

Grundmauern gesichert

Grund für die Sanierung war, dass das Erdreich, mit dem die Ruine nach der Zerstörung innerhalb der Grundmauern und des alten Kellers aufgefüllt wurde, die Mauern nach außen gedrückt hat. Im Zuge der Sanierung wurde das Erdreich bis zur notwendigen Sanierungstiefe des ehemaligen Kellers abgetragen. Die Mauern der Synagoge wurden rückseitig von innen mit Beton gesichert, anschließend der Raum wieder aufgefüllt und neu bepflanzt. Die zur Sövener Straße hin sichtbaren Mauern wurden gereinigt, schadhafte Fugen wurden ausgebessert. Oberhalb der Reste der Apsis wurde ein neues Geländer errichtet. Auf dem Gelände selbst – im Bereich, der früher der Innenraum war – wurde eine neue Infotafel errichtet und vor allem erstmals auch eine Chanukkia installiert. Die Maßnahme hat insgesamt 350.000 Euro gekostet und wurde vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitales des Landes Nordrhein-Westfalen bezuschusst. Die Bauarbeiten hatten im Oktober 2023 begonnen.

Bürgermeister dankte für Engagement

Bürgermeister Mario Dahm würdigte anlässlich der Enthüllung der Chanukkia auch die Rolle des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hennef und von dessen Mitglied Albert Jacobs. Er sei an die Stadt herangetreten und habe die Notwendigkeit einer Sanierung deutlich gemacht. „Albert Jacobs“, so Dahm, „war es im Übrigen bereits seit langem ein Anliegen, die verbliebenen Reste der Synagoge zu bewahren und zu schützen, vor allem auch, weil er viele lebhafte Erinnerungen an die Zeit hat, als diese Synagoge noch Zentrum einer aktiven und im wahrsten Sinne des Wortes lebendigen Gemeinde war. Für dieses Engagement danke ich im Namen der Stadt und des Stadtrates ganz herzlich.“

Darüber hinaus dankte Dahm „den Mitarbeitern der städtischen Gebäudewirtschaft, namentlich dem Leiter Muhammet Eryigit sowie Philip Wielpütz, dem Projektleiter Michael Herkenrath von der Zacharias Planungsgruppe für die zuverlässige Umsetzung der Sanierung, Edmund Heller, dem neuen Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, der als Steinmetzmeister ehrenamtlich den Gedenkstein, der unterhalb der Apsis steht, aufgearbeitet, gesäubert und die Schrift nachgearbeitet hat, dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und Vanessa Geilhausen von der städtischen Denkmalbehörde für die fachliche Begleitung, der städtischen Förderabteilung für die Unterstützung, sowie dem Leiter des Kulturamtes Dominique Müller-Grote für sein Engagement zur Errichtung der Chanukkia und Herrn Kovar für die Unterstützung nicht nur bei Gedenkveranstaltungen sondern auch bei der Beratung in der Frage der Gestaltung der Chanukkia.“

„Ein Zeichen, das uns erinnert.“

Kulturamtsleiter Dominique Müller-Grote hob hervor, wie wichtig Erinnerung und Gedenken sind: „Wir stehen hier an einem der vielen Orte, an denen die Verbrechen an den Juden sichtbar wurden. Es ist wichtig, sich zu erinnern, zu gedenken. Wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Wer sich der Verbrechen erinnert, kann neue Verbrechen verhindern. Und doch ist Gedenken nicht alles. Wir müssen auf das Hier und Jetzt schauen. Und da sehen wir Synagogen, jüdische Kindergärten, Schulen und Altenheime, die von der Polizei beschützt werden. Wir sehen eine dramatische Zunahme antisemitischer Vorfälle aller Art. Wir sehen, was wieder sichtbar wird, von dem wir uns eingebildet haben, es sei nicht mehr da. Wir müssen Zeichen setzen, mehr als Worte, sichtbare Zeichen. Ein Zeichen, das uns erinnert, was einmal war, was genommen, vernichtet und getötet wurde, und das zugleich ein Zeichen für ein Zusammenleben sein kann. Ein Zeichen, welches für die unendlich reiche jüdische Kultur steht, ein Zeichen, das die religiöse Bedeutung dieses Ortes unterstreicht und das Jahr für Jahr Gelegenheit bietet, zusammen zu feiern. Welches Zeichen wäre besser, als ein Leuchter, der in der Geschichte symbolisch für den Sieg über die steht, die die jüdische Kultur und Religion vernichten wollten.“

Hintergrund

Geschichte der Synagoge: Die 1862 errichtete Synagoge ist am 10. November 1938 im Zuge der Reichspogromnach in Brand gesteckt worden und wurde später bis auf die Grundmauern dem Erdboden gleichgemacht. 1994 hat die Stadt das Grundstück und die baulichen Reste erworben, seit April 1995 ist die Ruine ein eingetragenes Denkmal. Innerhalb der Grundmauern der Synagoge findet jedes Jahr am 10. November der Gang des Gedenkens an die Ermordung der Hennefer Jüdinnen und Juden mit einem Gebet seinen Abschluss. Im Hennefer Rathaus befindet sich an zentraler Stelle eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten Hennefer Juden und die Zerstörung der Synagoge. Zu sehen sind dort Modelle der Synagoge und des Thoraschreins der Synagoge, eine Stele mit einem Originalstein der Synagoge, eine Menora, Bronzeskulpturen sowie Fotos des Inneren sowie der zerstörten Synagoge und eine Tafel mit Namen der verfolgten und ermordeten Juden. Die Gedenkstätte wurde als Initiative des Hennefer Bürgers Heinrich Kneip kurz nach dem Bau des neuen Rathauses im Jahre 2000 auf einer Freifläche in der ersten Etage eingerichtet.

Chanukka – zu deutsch „Weihung, Einweihung“ – oder Lichterfest ist ein acht Tage andauerndes, jährlich gefeiertes jüdisches Fest zum Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v.u.Z., beziehungsweise 3597 jüdischer Zeitrechnung.

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